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File       : 'c:\dfue\cserve\fcabinet\cabinet\folder00.004\7A2A.THD'
Type       : Forum thread file

Forum      : PC-ONLINE Magazin
Section    : Christen Online
Subject    : Apokryphen

Created    : 16-Aug-1997 , 07:16:01
Last update: 16-Aug-1997 , 07:16:01

==== Message   1 ==== Apokryphen =========================================

To         : Erich                       113200,1770
From       : R. Otto Heydorn             106073,641
Created    : 15-Aug-1997 , 07:16:19      
Message ID : 326117

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Hallo Erich,

tut mir leid. Was da in der Offenbarung steht, steht da in der
Offenbarung. Sicher wird es gerne von 'christen', wie Du sie nennst,
herangezogen, um ausufernde Auslegungen oder Interpretationen zu
unterbinden. Aber da der Kanon erst im Mittelalter festgelegt wurde, sehe
ich da kein Problem drin, die Aprokryphen mit hinzu zu nehmen. 

Zumal selbst Luther meinte, dass diese Buecher zwar nicht notwendig seien,
aber auferbaulich... aber was solls, bin ich Luther? Hast Du schon mal die
Apokryphen gelesen? In der Luther-Uebersetzung mit dem blauen Einband sind
sie enthalten. Ich fand, wenn ich auch nur Auszuege las bisher, die Texte
sehr erbaulich.

Warum sind stets Bibeln mit Apokryphen im Handel (gewesen)? Eben drum.

Wenn bei so einem schwierigen Thema auch die Apokryphen hinzu genommen
werden, ist dies nur opportun. Was hast Du denn gegen diese Buecher?
Sicher sind sie immer noch der Bibel zugehoeriger als das Kochbuch Deiner
Mutter.

Ich habe da gar nichts gegen, dieses Thema mal auszudiskutieren.

Start new thread: Apokryphen - biblischen Inhalts oder nicht? Hierzu kann
uns sicher Klaus-Dieter oder Joachim etwas Gutes zu sagen...

Rotto

==== Message   2 ==== Apokryphen =========================================

To         : R. Otto Heydorn             106073,641
From       : Januschek                   101341,3130
Created    : 16-Aug-1997 , 19:39:30      
Message ID : 326414

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Hallo Rotto!

Jawoll, hier ist er schon! Zunächst einmal wäre zwischen den
alttestamentlichen und den neutestamentlichen Apokryphen zu unterscheiden
(letztere gibt es auch, stehen aber in keiner Bibelausgabe). Bei den
altestamentlichen Apokryphen handelt es sich um jüdische Spätschriften,
die in der griechischen Septuaginta, nicht aber in der hebräischen Bibel
zu finden sind. Die jüdische Gemeinde und die alte Kirche haben die
alttestamentlichen Apokryphen nie als kanonisch - also als Teil der
Heiligen Schriften - angesehen (von zwei kleinen Kozilien abgesehen). In
der Reformationszeit kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung über die
Quellen christlichen Glaubens. Dieses war einerseits der Kanon der
Heiligen Schriften, andererseits die Tradition (was überall, was immer,
was von allen geglaubt wird schrieb Vinzenz von Lerinum um 400). Luther
wollte einige Auswüchse dieser Tradition (z.B. Marienverehrung oder die
Ablaßpraxis) ausschneiden und ging radikal vor, indem er das Schlagwort
'sola scriptura' prägte. Die römisch-katholische Kirche andererseits
erklärte im Konzil von Trient die alttestamentlichen Apokryphen für
kanonische Schriften. Dies schien erforderlich, da einige Traditionen
(insbesondere im Bereich der Totenverehrung/Ablaßhandel) nur auf
Schriftworte aus den Apokryphen gestützt werden konnten (In diesem
Zusammenhang die Anmerkung, daß viele Geschichten aus dem Leben Jesu, die
in der römisch-katholischen Kirche gepflegt werden, auf den
neutestamentliche Apokryphen beruhen). 
Soweit ein ganz kurzer historischer Abriß. Denn viel interessanter ist die
Frage: Welche Quelle haben wir. Hier sagen viele fundamentalistische
Christen: Alleine die Bibel - und meinen eigentlich nicht alleine die
Bibel, sondern auch eine bestimmte Auslegung der Bibel. Außerdem laufen
sie Gefahr das Wirken des Heiligen geistes in unserer Zeit und in unser
Leben zu verdrängen bzw. zu bewerten. Andererseits laufen 'moderne'
Christen Gefahr, das biblische Wort Gottes gar nicht mehr zu beachten
(Leugnung der Auferstehung oder des Weltgerichtes sind hier herausragende
Irrtümer). Das Problem bei allem ist die richtige Auslegung des Wortes
Gottes. Richtig = eine vom Heiligen Geist, von Gott inspirierte Auslegung.
Die Tradition, das Leben der Väter und Mütter, ihre Texte und Gebete sind
deshalb für den Glauben wichtig, weil sie helfen können, Gottes Wort und
Gottes Willen zu verstehen. 
Dabei hat Gott gewiß für jeden Chrisen andere Schwerpunkte die für sie/ihn
lebenswichtig sind, Lebensworte sind. Ich zum Beispiel nehme jede und
jeden in Liebe an und be-/verurteile niemanden. Damit ecke ich bei den
Fundamentalisten ebenso wie bei den Modernen und den Charismatikern an.
Aber ich überlasse die Entscheidung, was für den einzelnen richtig und
wichtig ist, Gott alleine. Deshalb sind für mich alle dogmatischen Sätze,
die über die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens hinausgehen, nicht
absolut, sondern nachdenkenswert. Ich will dies hier jetzt aber nicht
weiter vertiefen, um nicht wieder eine endlose Diskussion loszutreten.    
   

Gruß

Jo


  -Joachim Januschek


==== Message   3 ==== Apokryphen =========================================

To         : Januschek                   101341,3130
From       : R. Otto Heydorn             106073,641
Created    : 18-Aug-1997 , 08:23:13      
Message ID : 326725

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Hallo Joachim,

erstmal vielen Dank fuer Deinen ausfuehrlichen Beitrag. 

>>Ich will dies hier jetzt aber nicht weiter vertiefen, um nicht wieder
eine >>endlose Diskussion loszutreten. 

Warum eigentlich nicht? Wir leben vom Gespraech miteinander... :-), dieses
Forum lebt von den Diskussionen...

Rotto :-)  

==== Message   4 ==== Apokryphen =========================================

To         : R. Otto Heydorn             106073,641
From       : Erich                       113200,1770
Created    : 18-Aug-1997 , 19:41:01      
Message ID : 326777

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Hallo Leute,
ihr wolltet es nicht anders.

Zum Thema alttestamentarische Apokryphen:
Buch "So entstand die Bibel" Seite 117

**".... und sehen, das die Apokryphen (1) nicht den Anspruch erheben,
prophetisch zu sein, (2) nicht mit der wircklichen Autorität Gottes reden,
(3) wenig orignelles, aufbauendes Material, keine Zukunftsprophetie und
keine neue Wahrheiten über den Messias (Gott) weitergeben, (4) manchmal
voller historischer Fehlangaben und dogmatischer Ketzerei sind, wie z.B.:
die Totenanbetung und (5) vom Volk Gottes, an die sie gerichtet waren
abgelehnt wurden.' **

Das sich natürlich hier die katolische Kirche mitreinhengt, ist mir klar,
paßt ja auch zu ihr, siehe Totenanbetung.
Mit den Apokryphen ist den Verantworlichen die Möglichkeit gegeben, die
Menschen vom wahren Gott vern zu halten. 

Noch mehr?

Gruß Erich


==== Message   6 ==== Apokryphen =========================================

To         : Januschek                   101341,3130
From       : R. Otto Heydorn             106073,641
Created    : 23-Aug-1997 , 07:16:05      
Message ID : 327538

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Hallo Joachim,

bei einem thread gleichem Subjects im Lifenet verwendete ich unter Angabe
der Quelle Deinen Text.

Darauf kam eine Antwort, die ich Dir gerne weitergeben möchte. Ich kann
dazu gar nichts sagen, da ich mich damit nicht so sehr auseinandersetzte.

Empfaenger : /life/LIFE.D.DISKUS.AREOPAG (All)
Absender   : BERND_KEHREN # CREDO.LIFE.DE @ 77:7700/318.0  (Bernd Kehren)
Betreff    : Re: Kanon-Fragen
Datum      : Mi 20.08.97, 09:25  (erhalten: 22.08.97)
Groesse    : 4209 Bytes
----------------------------------------------------------------------
From: BERND_KEHREN@CREDO.LIFE.DE (Bernd Kehren)

ROTTO_HEYDORN@P604.LIB-AA.LIFE.DE (ROTTO HEYDORN)  schrieb am 18.08.97: 

RH> zu finden sind. Die juedische Gemeinde und die alte Kirche haben die  
RH> alttestamentlichen Apokryphen nie als kanonisch - also als Teil der  
RH> Heiligen Schriften - angesehen 

Das ist beides falsch.

Die LXX = Septuaginta, war _die_ juedische AT-Uebersetzung, die 
(nicht nur) in der Diaspora Verwendung hatte. Man muss dazu 
wissen, dass seit "333 Issos Keilerei" Palaestina von Alexander 
dem Grossen erobert worden war und seitdem das ganze Land 
"hellenisiert" war, so dass die spaeten Schriften eben auf 
griechisch erschienen oder vor allem in der griechischen
Uebersetzung, wie es eben in der LXX gesammelt war.

Fuer die meisten der fruehen Christen war diese Septuaginta
_das_ alte Testament. Damit argumentierten sie auch gegenueber
den Juden, und weil sich gerade in den Apokryphen einige wichtige
Stellen zur Begruendung finden, die man als Verheissungen auf
Christus verstehen kann, haben die Juden umgekehrt (aber eben
erst im Nachhinein) auf einer Synode (?) in Jabne die Septuaginta
abgelehnt und eine eigene griechische Neuuebersetzung in Auftrag 
gegeben, die sich nur noch auf die auch auf Hebraeisch/Aramaeisch
erhaltenen Schriften bezog.

Das heisst: Fuer die Juden galten diese in der LXX enthaltenen
Apokryphen bis zu diesem Beschluss als mehr oder weniger kanonisch.
Fuer die Christen galten die Apokryphen ebenfalls als kanonisch
und finden sich bis heute in den katholischen Bibelausgaben in den
Text integriert (vgl. Einheitsuebersetzung).


In der Reformationszeit kam das humanistische Prinzip "ad fontes",
"zu den Quellen hinzu". Bedauerlicherweise verstanden Luther und 
die Humanisten dieses Prinzip so, dass "urspruenglich" nur das
gewesen sein koenne, was auch auf Hebraeisch ueberliefert von 
den Juden auch langfristig als kanonisch anerkannt war. Rein 
historisch gesehen war aber genau das ein Irrtum, so dass in 
den evangelischen Bibeln z.B. die sogenannte "Makkabaeerzeit"
einfach fehlt: Von dem, was inhaltlich geschildert wird, klafft
in der evangelischen Bibel eine Luecke von mehr als 150 Jahren.
Diese Zeit fiel aber in die zeitliche Epoche des "Hellenismus",
in der eben auch in Palaestina Texte urspruenglich auf Griechisch
verfasst wurden oder in der sie sehr schnell uebersetzt wurden und
vor allem auf Griechisch Verbreitung fanden. Fuer diese Zeit 
haette "ad fontes" bedeuten muessen, auch diese Schriften 
anzuerkennen.

Wenn man so will: Die protestantische Christenheit hat aufgrund
eines falsch angewendeten humanistischen Prinzips auf einige Teile
der atl. Bibel verzichtet, die bei den fruehen Christen selbst-
verstaendlich dazugehoerten und sich in katholischen Bibeln 
bis heute erhalten haben.

Man spricht aber auf evangelischer Seite nicht so gerne darueber,
weil dann deutlich wuerde, dass Martin Luther an dieser Stelle
ein (auch wenn es falsch verstanden wurde) humanistisches Kriterium
_ueber_ das Prinzip "sola scriptura" stellte. Martin Luther wird
in protestantischen Freikirchen und bei Evangelikalen ja gerne
als einer jener Musterknaben missbraucht, die sich ganz unter die
Schrift stellten, welcher sich auch Vernunftgruende unterzuordnen
haben. Wie peinlich, dass sich an dieser Stelle zeigen laesst, 
dass ausgerechnet ein Irrtum bei der Anwendung eines humanistischen
Vernunftprinzips zur Ausscheidung eines Teiles dessen fuehrte,
was fuer die fruehen Christen selbstverstaendlich zur Bibel 
gehoerte. Sowohl gegen die Vernunft als auch gegen den 
Humanismus wird in beiden Kreisen in der Regel heftig polemisiert.


Und so halten sich auch heute auf protestantischer  Seite vor
allem Erklaerungen, die hauptsaechlich rechtfertigen sollen,
warum die katholische Seite nicht recht habe. Selbst wenn wir
Protestanten beim Kanon der Reformation bleiben sollten, 
brechen wir uns aber keinen Zacken aus der Krone, wenn wir zugeben,
dass Luther sich in diesem Punkt geirrt hat.

Schoene Gruesse
   Bernd

-- 
// THE_DOT V2.23 Regist. //

--- FIDOGATE 3.9.6
 * Origin: Life.DE Domain-Gateway, SHALOM-Fido Gateway (77:7700/318.0)


==== Message   7 ==== Apokryphen =========================================

To         : R. Otto Heydorn             106073,641
From       : Januschek                   101341,3130
Created    : 24-Aug-1997 , 20:24:25      
Message ID : 327871

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Hallo Rotto!

Ich denke, es bringt sehr wenig, hier jetzt ein Seminar über die
Entstehung ders Alt- und Neutestamentlichen Kanons zu halten. Nur eins:
Wegen der wenigen Kenntnisse, die die meisten Menschen leider haben,
werden leicht einige Begriffe durcheinandergeschmissen. Kanonisiert und
damit als heilige Schrift - von der kein Jota entfernt oder zugefügt
werden durfte - anerkannt war alleine die Thora - also der Pentateuch oder
wie die Evangelischen sagen: Die fünf Bücher Mose. Über den Charakter der
anderen Schriften haben sich die Juden kaum Gedanken gemacht, da sie aus
der Thora folgen - ebenso wie Talmud, Mischna, Gemora etc. aus den
heiligen Schriften folgen. Hierhinter steht einfach eine Philosophie bzw.
ein Schriftverständnis, das für uns nur schwer nachvollziehbar ist. 
 Die von Luther als Apokryphen bezeichneten alttestamentliche Schriften
befinden sich nicht in den hebräischen Bibeln, da diese vor ihrer
Entstehung schon abgeschlossen waren und die Juden der Spätzeit kein
Hebräisch mehr verstanden. Für die junge christliche Kirche kam im Laufe
des ersten und ebsonders im zweiten jahrhundert die Notwendigkeit auf, das
zahlreiche Schrifttum zu sichten und in echte und unechte Schriften zu
unterscheiden. Hierzu wurde die Kirche von den zahlreichen Sekten
getrieben - es war übrigens ein Ketzer, der den ersten Kanon aufstellte.
Der Streit, was zum Neuen Testament gehört und was nicht, dauerte lange
und es ist historisch interessant, sich diese Entwicklung anzuschauen. 
Der sogenannte alexandrinische Kanon, der von den hellenistischen Juden
und den Urchristen als Aufzählung der heiligen Schriften angesehen wird,
ist historisch schwer faßbar. Das einzige Zeugnis, das wir haben, steht
ausgerechnet in den Apokryphen: Jesus Sirach 49,10 nennt die Zwölf
Propheten, das jüngste Buch der hebräischen Bibel (dort auch eine andere
Reihenfolge als in der LXX). Interessant die Vorrede zu Jesus Sirach zu
den Problemen der Übersetzung. Vielleicht noch interessanter: Nachdem
Hieroymus der letzte war, der behauptete, eine hebräische Fassung des
Jesus Sirach gekannt zu haben, sind in den letzten hundert Jahren mehrere
Fragmente des hebräischen Textes gefunden worden. Diese Fragemnete weisen
ebenso wie die diversen griechischen Quellen zahlreiche Änderungen,
Ergänzungen etc. auf - eigentlich das beste Argument dafür, daß diese
Schrift nicht als Heilige Schrift galt. 
Vermutlich hat der alexandrinische Kanon die Schriften bereits in
kanonisch und deuterokanonisch (=apokryph, dieses Wort ist eigentlich
falsch) unterschieden. Die jüdische Kanonisierung wurde auch erst bald 200
Jahre nach Christus abgeschlossen. Für die Christen stellte sich die Frage
nach dem Kanon im Alten Testament gar nicht, da sie die Schriften des
Alten Testaments nach der Trennung von der Synagoge nicht wie die Juden
regelmäßig lasen, sondern nur einzelne Textpassagen zur Untermauerung
heranzogen. Dabei wurden alle Texte, die passten genommen, gelich, ob sie
kanonisch, apokryph oder gar pseudoepigraphisch waren (von einigen Zitaten
im NT wissen wir gar nicht so recht, woher sie kommen). Als dann die Juden
einen Teil der LXX als nichtkanonisch bezeichneten und der Ketzer Marcion
alle alttestamentlichen Schriften und einen Teil der neutestamentlichen
Schriften verwarf, sah sich die Kirche auch hinsichtlich der Kanonisierung
des AT zum Handeln gezwungen. Ohne jetzt auf die philosophischen
Hintergründe und Ursachen einzugehen: Hieronymus erkannte nur den
jüdischen Kanon an (und nannte die naderen Schriften apokryph - Luther
steht in seiner Tradition). Augustinus dagegen sah alle alttestamentlichen
Schriften als Heilige Schrift an. Seine Auffassung wurde dann von mehreren
katholischen Konzilen bis Trient 1546 bestätigt. 

Heute spielt die Debatte um den richtigen Kanon in dem Gespräch der
Kirchen und in der Theologie gar keine Rolle mehr, weil acuh die neuen
Schriften auf der Theologie der alten Schriften basieren, also nichts
neues bringen und weil die Schriften des Spätjudentums das
Glaubensverständnis der Menschen zur Zeit Jesu wiedergeben. Diese
Schriften sind also für ein sachgemäßes Verstehen des NT wichtig und
wertvoll.

So ich denke, damit sind auch die letzten Klarheiten ins Schwimmen
gekommen. Aber das ist gut so, denn Christ sein heißt nicht den uns
gegebenen Schatz verbuddeln, sondern voranzuschreiten und mit den Pfunden
zu wuchern.

Gruß

Jo   


  -Joachim Januschek


==== Message   8 ==== Apokryphen =========================================

To         : Januschek                   101341,3130
From       : R. Otto Heydorn             106073,641
Created    : 28-Aug-1997 , 07:16:18      2 replies
Message ID : 328403

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Hallo Joachim,

ich bekam da folgende Frage, die ich nicht beantworten kann, vielleicht
Du?

Empfaenger : /radio/RELIGION.GER (Rotto Heydorn)
Absender   : Joachim Prauschke @ 2:241/570.22  (ULI's BBS, Braunschweig)
Betreff    : Re: Frage zur Bibel
Datum      : So 24.08.97, 09:01  (erhalten: 26.08.97)
Groesse    : 485 Bytes
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Hallo Rotto,

Du schriebst am 21.08.97 zum Thema "Re: Frage zur Bibel" unter anderem:

RH> Zunaechst einmal waere zwischen den alttestamentlichen und den
RH> neutestamentlichen Apokryphen zu unterscheiden (letztere gibt es
RH> auch, stehen aber in keiner Bibelausgabe).

Haettest Du da mal eine Art "Liste", welche es gibt ... und wo man die,  
wenn auch nicht in der Bibel, finden kann ...

Joachim

--- CrossPoint v3.11 R
 * Origin: Atheist aus gutem Grund! (2:241/570.22)


Das hat man davon, wenn man fremde Texte weitergibt.

Rotto

==== Message   9 ==== Apokryphen =========================================

To         : R. Otto Heydorn             106073,641
From       : Januschek                   101341,3130
Created    : 28-Aug-1997 , 21:05:05      
Message ID : 328553

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Hallo Rotto!

1. Frage - hast Duu meine Antwort betr. alltestamentliche Apokryphen
bekommen?
2. Die neutestamentlichen Apokryphen sind vor kurzem in einer
'Volks'ausgabe erschienen: Apokryphen im Pattloch Verlag Augsburg 1995,
ISBN 3-629-91319-9. Das Buch wurde von modernen Antiquariaten sehr billig
angeboten. Es enthält die alttestamentlichen Apokryphen (also die, die nie
in die Bibel aufgenommen wurden, wie das Leben Adams und Evas oder die
Apokalypse des Mose, auch die Apokryphen, die teilweise zum AT gerechnet
wurden (Viertes Buch Esra, Buch Henoch ua.) sowie das Buch der Regel aus
Qumran. Neutestamentliche Apokryphen vor allem die Evangelien
(Petrus/JakobusThomas uva.)s sowie Apokalypsen, Briefe und die Paulus-
Akten. (Insgesamt fst 600 Seiten, bald so dick wie eine Bibel).

Gruß

Jo
  


  -Joachim Januschek


==== Message  10 ==== Apokryphen =========================================

To         : R. Otto Heydorn             106073,641
From       : Wolfgang Wenger             100332,1561
Created    : 28-Aug-1997 , 23:04:21      
Message ID : 328599

--------------------------------------------------------------------------

Hallo Rotto!

>> Haettest Du da mal eine Art "Liste", welche es gibt ... und wo man die,
 
wenn auch nicht in der Bibel, finden kann ... <<

Ich habe ein Buch mit Apokryphen aus dem AT und aus dem NT vom Pattloch
Verlag 1989 ISBN 3-629-91319-9

Die A. aus dem NT sind: Petrusevangelium, Epistula Aposolorum, Gnostische
Evangelien, die Sophia Christi, Die Pistis Sophia, Kintheitsevangelien,
Protevangelium des Jakobus, Kindheitserzählung des Thomas, arabisches
Kindheitsevangelium, armenisches Kindheitsev., Pseudo-Matthäus Ev., Leben
des Joannes nach Serapion, die abgarsage, das Nikodemus-Evangelium,
Nikodemus Evangelium: Brief des Pontius Pilatus, das Bartholomäus Ev., die
Himmelfahrt des Jesaja, das Martyrium dem Jesaja, die Offenbarung des
Petrus, das fünfte Buch Esra, das sechste Buch Esra, die sibyllischen
Orakel, die Oden Salomos, apokryphe Briefe, Briefwechsel zwischen Paulus
und Seneca, apokr. Apostelgeschichte und die Paulus-Akten.

Es gibt sicher mehr. Schreiben war damals nicht so in Mode wie heute. Ein
Buch von Luther wäre also damals als apokryphe Schrift bezeichnet worden
:-)

 Maranatha 

 Wolfgang Wenger (Sec.Leader "Christen Online" @ PCONLINE) 28-Aug-97
22:47:12 

 ==== Message  11 ==== Apokryphen =========================================

To         : Januschek                   101341,3130
From       : R. Otto Heydorn             106073,641
Created    : 30-Aug-1997 , 07:16:24      
Message ID : 328716

--------------------------------------------------------------------------

Hallo Joachim,

>>1. Frage - hast Duu meine Antwort betr. alltestamentliche
>>Apokryphen bekommen?

ja, ist angekommen, habe ich dann weitergeleitet und natuerlich mit
Interesse auch selbst gelesen.

Auch die Antworten von Dir und ww jetzt habe ich weitergeleitet.

Vielen Dank!

Rotto

==== Message  12 ==== Apokryphen =========================================

To         : Januschek                   101341,3130
From       : R. Otto Heydorn             106073,641
Created    : 02-Sep-1997 , 07:16:21      
Message ID : 329247

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Hallo Joachim,

hier die weitere Antwort Bernd Kehrens im Lifenet dazu:

From: BERND_KEHREN@CREDO.LIFE.DE (Bernd Kehren)

ROTTO_HEYDORN@P604.LIB-AA.LIFE.DE (ROTTO HEYDORN)  schrieb am 26.08.97: 

Hallo Rotto,

vielen Dank fuer deine Vermittlung. :-))

RH> fuenf Buecher Mose. Ueber den Charakter der anderen Schriften haben
sich
RH> die Juden kaum Gedanken gemacht, da sie aus der Thora folgen - ebenso
RH> wie Talmud, Mischna, Gemora etc. aus den heiligen Schriften folgen.

Das ist erscheint mir als nicht ganz richtig, zumindest fuer die Linie 
des Judentums, die sich bis heute erhalten hat.
Die Heilige Schrift und im Konsonantentext unveraenderlich ist
fuer sie der ganze Tenakh: 
                   T N K  Tora      5 Buecher Mose
                          Nebiim    Propheten
                          Ketubim   Schriften

Sie sind in keinem Fall mit Talmud, Mischna, Gemora usw. gleichzusetzen.


RH> ihrer Entstehung schon abgeschlossen waren und die Juden der Spaetzeit
RH> kein Hebraeisch mehr verstanden. 

Damit wird doch genau die Erklaerung gegeben, warum die spaeten
Schriften eben nicht mehr in Hebraeisch oder Aramaeisch verfasst
und/oder erhalten wurden, sondern eben in Griechisch, und warum 
in der LXX mehr enthalten ist als im hebraeischen Text.


RH> Ergaenzungen etc. auf - eigentlich das beste Argument dafuer, dass
diese
RH> Schrift nicht als Heilige Schrift galt.

Oder: Dass unser Verstaendnis von Kanonizitaet nicht zwangslaeufig
mit dem der damaligen Zeit uebereinstimmt. Zumal aus meinem Lehrbuchtext
hervorgeht, dass "Vulgaertexte", die nicht ganz so sorgfaeltig
mit dem einzelnen Buchstaben waren, auch nicht ganz so unueblich
waren.


RH> Heute spielt die Debatte um den richtigen Kanon in dem Gespraech der
RH> Kirchen und in der Theologie gar keine Rolle mehr, weil acuh die
RH> neuen Schriften auf der Theologie der alten Schriften basieren, also
RH> nichts neues bringen und weil die Schriften des Spaetjudentums das
RH> Glaubensverstaendnis der Menschen zur Zeit Jesu wiedergeben. Diese
RH> Schriften sind also fuer ein sachgemaesses Verstehen des NT wichtig
und
RH> wertvoll.

:-))

Leider sehen das die Kreise um etwa die ehemalige FETA (die neue
Abkuerzung kann ich mir nur muehsam merken) meines
Wissens nicht ganz so. Aus diesen Kreisen hoere ich vor allen
Dingen Bemerkungen darueber, wie minderwertig und ueberfluessig
diese Schriften seien. (Oder ist das inzwischen anders?)

Ob sie wirklich nichts Neues bringen, wuerde ich aber eher wieder
bezweifeln. Wenn sie doch zum sachgemaessen Verstehen des NT
wichtig und wertvoll sind, ist darin wohl doch ein wenig mehr
enthalten als im hebraeischen Teil des AT.



Was aus diesem Meinungswechsel deutlich werden kann: Dass die
Fakten durchaus unterschiedlich interpretiert werden koennen,
je nachdem, von welcher Seite man sie betrachtet; und dass man
- hoffentlich - selbst aus den Meinungsverschiedenheiten noch
hinzulernen kann.

Schoene Gruesse
   Bernd



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