Versuchungen - meiden oder annehmen ?

Versuchung - Versuch einer Begriffsdefinition aus christlicher Sicht

Der Begriff der Versuchung taucht an vielen Stellen in der Bibel sowohl im Alten als auch Neuen Testament auf. Die bekannteste allerdings finden wir im "Vaterunser", das Gebet, das uns Jesus mit auf dem Weg gab, das Gebet, das alles ausdrückt, wenn uns die Worte fehlen.Beten von Tiki

-> Was verstehst Du unter Versuchung?

Wie uns allen wohl bekannt ist, heißt es im Vaterunser: "Und führe uns nicht in Versuchung". Sollte das bedeuten, daß es Gott ist, der uns versucht? Gewiß nicht. Ganz klar wird Satan als der Versucher, aber auch als der Ankläger vor Gott bezeichnet. Hier ist auch der Schlüssel, um diese Gebetszeile zu verstehen: Gott läßt es zu, daß Satan uns versuchen kann - somit ist diese Aussage zu verstehen, als: Laß es nicht zu, daß wir geprüft werden. Denn letztlich ist das Führen in die Versuchung, die wenn, dann vom Satan getan wird, als Führen in eine Prüfung zu verstehen. Wir können uns als geehrt empfinden, daß Gott uns für so standhaft empfindet, daß er zulässt, wie bei Hiob, uns durch Satan prüfen zu lassen. Versuchung bedeutet also Prüfung, auf die Probe stellen.

Deutlich kann dies besonders an einer Stelle werden: Jesus wurde vom Heiligen Geist in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden. (Mt. 4, 1). Wie kann das sein, das der Heilige Geist und der Teufel zusammen arbeiten? Das ist schier undenkbar. Der Heilige Geist hat hier lediglich Jesus einer Prüfung entgegen geführt, die ihn stärker machte, die ihn deutlich gegen Satan Stellung beziehen ließ (folgende Verse).

So betrachtet, können wir also alle Versuchungen annehmen.

        Versuchungen annehmen?

Wir dürfen aber nicht vergessen, wer wir sind. Wir sind zwar Teil des Leibes Christi, aber wir sind nicht der Sohn selbst. Versuchungen treten immer wieder auf und oftmals ist es gar nicht anders möglich, sie einfach nur anzunehmen, um sie zu überwinden. Aber dem entgegen muß gelten, was letztlich die Vernunft gebietet: Begebe ich mich bewußt in Gefahr, sollte ich damit rechnen, daß sie mich trifft. D. h. also: Annehmen, aber nicht suchen, also doch meiden.

        Versuchungen meiden?

Sicher können wir sagen: Ich bin stark in der Macht meines Herrn. Aber mit absoluter Sicherheit wird jeder von uns der Versuchung anheimfallen, je öfter wir ihr uns stellen. Vielleicht gelingt es uns, viele Jahre lang mit dem Freund oder der Freundin ins Bett zu steigen, ohne bis zum letzten zu gehen. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo man es dann doch tut.
Es kann in diesem Thema keine 100 %ige Antwort geben. Versuchungen begegnen uns immer wieder, ständig müssen wir uns bewähren, sofern wir unser Leben als Christ ernst nehmen.

Es gibt einige gute Hinweise:

Selbstachtung: Frage Dich, wenn Du in der Versuchung stehst:

  • Sollte ein Mensch wie ich etwas Derartiges tun?
  • Deinen Erinnerungen, Dir selbst kannst Du nicht entkommen.

    Achtung Anderer:

  • Frage Dich, was Deine Lieben zu diesem oder jenem sagten
  • Der Glaube an Jesus Christus:

  • Frage Dich, was er dazu sagte.
  • Frage ihn direkt vermittels des Heiligen Geistes und der Bibel...

  • Rotto
     


    © R. Otto Heydorn, 1996-2000