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Von:        Jesus Christus

Datum:        29.05.96

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Betreff:        Nachfolge

Was also sagte Jesus Christus zu: "Nachfolge"?

Wir lesen:

Matthäus 10,38 (Markus 8,34; Lukas 9, 23): 
"...und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig"
Matthäus 16,24: 
"... Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach!"
Johannes 8, 12: 
"Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, 
sondern wird das Licht des Lebens haben."
Johannes 12 ,26: 
"Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach! 
Und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. 
Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn ehren."
Johannes 21,22: 
"Wenn ich nun will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es Dich an? Folge Du mir nach!"

Dies sind die Stellen , in denen Jesus den Begriff Nachfolge ausdrücklich benutzte. Sicherlich fällt auf, daß Jesus hier nicht sagt: Nachfolge bedeutet dies oder Nachfolge bedeutet das, sondern er trifft recht generelle Aussagen, die genauer betrachtet allerdings wichtige Folgerungen zulassen.

Es sind fünf Grundaussagen erkennbar:

zuerst spricht Jesus hier davon, nicht sein Kreuz aufzunehmen, sondern jeder sein eigenes Kreuz. Zu dem Zeitpunkt, an dem Jesus diese Aussage trifft, war er ja noch nicht gekreuzigt und es war sprichwörtlich zu verstehen. Jesus deutet auch seine Todesart an, aber das verwirrt hier eher nur. Wenn er sagt, ein jeder nehme sein Kreuz auf, so spricht er hier einzelne an, denn alle definieren ihr Kreuz, ihre Last, verschieden. Man könnte also sagen: Sei zufrieden mit Deinem Schicksal, hadere nicht, nimm entgegen was kommt und stelle Dich den Widrigkeiten, flüchte ihnen nicht! Stelle Dich der Realität, sei nicht schwärmerisch!

-> Was ist Dein Kreuz? Nimmst Du es auf?

Jesus nachfolgen

danach erst spricht Jesus von dem, was wir sonst so klar als Nachfolge erkannt haben wollen: Jesus nachfolgen, was hier auch wörtlich zu nehmen war. Heute, da er nicht mehr körperlich anwesend ist, müssen wir uns überlegen, wohin Jesus ging, um auch dorthin gehen zu können.

->Wohin ging Jesus?

sich selbst verleugnen

diese Grundaussage ist eine Vorbedingung, um Jesus nachfolgen zu können, um sein eigenes Kreuz aufzunehmen. Denn: Wie kann man sein Kreuz aufnehmen, wenn man voller Überheblichkeit dasselbe flüchtet, sich also täuscht über das eigene Selbst? Wir werden geprägt von vielen Einflüssen, wobei uns etliche bedrücken. Dies ist unser Kreuz. Unser Stolz läßt nicht zu, daß wir unser Kreuz annehmen, denn daß bedeutete Selbstannahme im negativen Sinne. Ich nehme mich selbst an, jedoch nicht lediglich meine selbst produzierten schlechten und guten Seiten, sondern in meinen von außen eingebrachten Lasten. Der eine hat mit Verwandten, Nachbarn, ungerechte Vorgesetzte und Kollegen seine Last, der andere mit der Arbeit als solches, seine Umgebung ist belastend durch z. B. Freudlosigkeit, oder es ist Krankheit, oder nur die eigene Körperlichkeit. Somit ist sich selbst verleugnen zu verstehen als Annahme dieser Umstände und verleugnen des aufbegehrenden Ichs - letztlich also Selbstannahme im Sinne von: "Ich nehme meine Bedrängnisse an und will mit ihnen leben!".

Licht des Lebens

Anwesenheit Jesu

diese beiden Punkte sind als Zusage zu verstehen, daß wer Ihm nachfolgt, wissen kann, daß zweierlei immer bei ihm ist: Trotz aller Finsternis, der man sich stellen muß, wird das Licht des Lebens uns scheinen. Wir werden das Licht des Lebens haben, heißt, es scheint in uns. "Wo ich bin, wird mein Diener sein" läßt sich umkehren: wo mein Diener ist, werde ich sein. Egal, wohin wir gehen, Jesus ist da. Denn wir werden getrieben sein, uns in die Welt zu begeben, um ihm Zeugnis zu sein. Unser Wunsch wird sein, ihm zu dienen. Ein Diener ohne Herr ist undenkbar, selbst wenn der Herr seinen Diener zu einem Botengang aussendet, so ist klar, daß der Diener nicht in eigenem Namen auftritt, sondern im Namen seines Herrn, somit ist sein Herr bei ihm. Paulus bekannte sich sogar dazu, Sklave seines Herrn Jesus Christus zu sein (Phil. 1, 1).

"Kein Jünger Jesu wird sich beschweren oder auch nur verwundern, wenn er gerade in der größten Dunkelheit der Welt und unter ihren schweren Lasten zu leiden hat. Denn eben 'dort' ist ja auch sein Meister und Herr. Vor allen aber weist dieses Wort Jesu seinen Jüngern den Platz unter den Elenden, Bedrängten, Leidenden und unter den "Zöllnern und Sündern". 'Dort' war Jesus, 'dort' ist Jesus noch heute mit seiner Liebe im Heiligen Geist. 'Dort soll auch mein Diener sein', um den unwiederholbar einzigartigen Dienst des Retters Jesu zu denen zu bringen, die seiner am dringendsten bedürfen."1

-> Wer sind die Elenden, Bedrängten, Leidenden, wer die "Zöllner und Sünder"?

-> Wo finden wir diese? Auch im Internet???

Vielleicht noch einmal speziell erwähnenswert Jesu Aussage auf Petrus' Nachfrage nach Johannes, dem Jünger, den Jesus besonders liebte. Er setzt Petrus, den er als Hirten seiner Gemeinde setzte, zurecht, weist ihn an, auf sich selbst zu achten. Es geht ihn nichts an, was Jesus mit diesem Jünger vor hat.

Das ist auch eine klare Anweisung an uns, sich nicht so sehr um die Nachfolge des anderen zu kümmern, sondern zu allererst um unseren Weg mit Jesus. Sicherlich bedeutet das nicht, Verfehlungen, die offensichtlich sind, zu korrigieren beim anderen Jünger. Aber Jesus' Pläne mit dem Einzelnen gehen uns nichts an. Wir dürfen uns niemals vormachen, wir "wüßten" wohin der Weg eines anderen Jüngers ihn führen wird. Eventuell bringen wir einen anderen ein Stück auf den Weg, begleiten ihn vielleicht, aber Jesus wird uns keine Antwort geben, wenn wir fragen, was ist Dein Weg mit diesem hier oder jenem. Jesus hat einen Plan für uns ganz persönlich. Wir können Jesus fragen:

"Was willst Du von mir, das ich tue?"

Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß wir eine Antwort bekommen, wie der Reiche in Mt. 19, 16 - 23. Jesus fordert ihn zur Nachfolge auf, aber vorher soll er seinen Reichtum aufgeben. Dieses Beispiel ist exemplarisch zu verstehen, nicht das wir prinzipiell unsere Reichtümer aufgeben sollen. Für diesen Fragenden ist sein Reichtum sein Kreuz. Der Reichtum hält ihn von der Hingabe ab, denn Armut wäre für ihn unerträglich, also untragbar. Sein Reichtum ist sein Kreuz, sein Hindernis zu Nachfolge, weil er es nicht aufgeben könnte.

-> Wo können wir nicht aufgeben? Uns Jesus übergeben, in die Hände geben? Auch das ist unser Kreuz. Nicht nur unsere jetzt empfundene Not, sondern auch die befürchtete Not.

-> Wieso kamen nach dem Krieg in Scharen Menschen zu Jesus, warum nicht auch heute?

-> Warum war Jesus vorwiegend bei den Bedürftigen zu finden?

Formuliert hat Jesus diese Frage selbst, er stellte sie in Mk. 10, 36 und Mk. 10, 51. Stellen wir uns darauf ein, daß wir diese Frage zuerst von ihm gestellt bekommen, wenn wir ihn anrufen. Aber ich glaube, daß es uns gut tut, diese Frage aus Dankbarkeit auch an Jesus zu richten und dann vielleicht eine Antwort zu bekommen, die uns nicht unbedingt gefällt.

Aber das ist Nachfolge.

Um unser Kreuz aufzunehmen müssen wir ihn anrufen, so daß diese Frage an uns von ihm gestellt werden kann. Aber um ihn zu dienen sollten wir diese Frage an ihn stellen!

Es ist sicher, daß Jesus uns verblüffen wird, wenn wir seinen Willen suchen...



1 Werner de Boor, Das Evangelium des Johannes 2. Teil, R. Brockhaus Verlag 1983, S. 57

Ansonsten von: Rotto, im April oder so 1996


© R. Otto Heydorn, 1996 - 2000