Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! - Liebst Du Dich selbst?

In mehreren Stellen der Bibel wird uns dieses Gebot gegeben und meistens wie

selbstverständlich hingenommen, ohne viele Gedanken um den Inhalt. Ich möchte jetzt mit

Euch zusammen versuchen, Gedanken um den Inhalt zu machen. Erst einmal sollten wir die

Bibel aufschlagen, nachlesen, was dort steht.

Als erstes begegnet uns diese Aufforderung, dieses Gebot, in 3. Mose 19, 17-l 8:

"Du sollst deinen Bruder in deinem Herzen nicht hassen. Du sollst deinen Nächsten ernstlich

zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld trägst. Du sollst dich nicht rächen und den

Kindern deines Volkes nichts nachtragen und sollst deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.

Ich bin der Herr."

ln der Folge begegnet uns dieses Gebot erst wieder im NT, als Jesus gefragt wird, welches

Gebot seiner Meinung nach das Wichtigste sei. Außer im Johannesevangelium stellt er das

Gebot der Nächstenliebe an die zweite Stelle. (Mt. 5, 43 - 44 & 22, 39; Mk 12, 3l; Lk. 10,

27) lm Evangelium des Johannes spricht Jesus in Johannes 13 ab Vers 330 vom "neuen"

Gebot der Liebe, welches sich in der Aussage mit dem deckt, was schon im 3. Mose zu lesen

war: " lhr sollt einander lieben, so wie ich euch geliebt habe. An eurer Liebe füreinander

wird die Welt erkennen, dass ihr meine Jünger seid." In 3. Mose wird Bruder und Nächster in

Verbindung gebracht, wodurch die Frage, wer denn der Nächste sei, ein wenig erhellt wird,

nämlich zuallererst meine Geschwister. lnteressant ist auch, dass hier klar wird, dass es sich

bei den Geboten keineswegs nur um die sog. "10 Gebote" allein handelt. In den 10 Geboten

nämlich taucht das Gebot der Nächstenliebe gar nicht auf (-> 2. Mose' 2- l7 & 5. Mose 5, 6

-2l). Allerdings lehrt hier Paulus in Gal. 5, 14, wie denn das zu verstehen sei: " Denn das

ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: 'Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich

selbst.' " Außer dem Gebot der Gottesliebe nämlich hätte nur dieses eine Gebot noch sein

brauchen und alles andere käme von selbst. Könnte ich denjenigen, den ich liebe, bestehlen,

betrügen mit seiner Frau und so fort? Sicherlich nicht. Das könnte ich nur mit dem, der mir

gleichgültig ist.

Der Vollständigkeit halber sei noch Jak. 2, 8 erwähnt, in dem Paulus dieses Gebot als

"Königliches Gesetz" bezeichnet.

Gut. Aber unser Thema ist ja: Liebe ich mich selbst? - Denn: Wie soll ich dieses Gebot

erfüllen können, wenn ich mich selbst verachte? Ich erstaune mich immer wieder über die

Weisheit Gottes. Er hätte auch ohne Selbstliebe Nächstenliebe verlangen können. Aber das

lag ihm fern. Hier wird die Bedeutung, die wir für Gott haben, deutlich. Er verlangt nicht von

uns, andere anstelle von uns selbst zu lieben, sondern er setzt Selbstliebe vor Nächstenliebe.

Gott hat uns wunderbar geschaffen, das sah er am 6. Schöpfungstag und auch der viel zitierte

Psalmist David konnte dies in Psalm l39, l4 erkennen. Um die Wundertat der Schöpfung zu

erkennen, müssen wir uns selbst lieben oder zumindest mögen. Ich weiß leider aus

schmerzlicher Erfahrung, was es bedeutet, sich nicht selbst zu lieben. Es ist unmöglich,

andere zu schätzen, das Schöne und Gute zu erkennen. Alles ist schlecht, wenn wir uns selbst

als schlecht erkennen. Aber dem ist nicht so. Wir täuschen uns.

Vielleicht machen wir einen Selbsttest, um festzustellen, wo wir stehen:

Überlege Dir 3 Dinge/Eigenschaften, die Du an Dir magst.

Überlege Dir 3 Dinge/Eigenschaften, die Du nicht an Dir magst.

Was fiel Dir leichter?

Am Ergebnis kannst Du erkennen, wie es um Dich steht in dem Thema. Es gibt allerdings

viele Möglichkeiten für Gläubige, die Selbstsicht zum Positiven zu verändern:

1. Bibelstudium, speziell der sog. Verheißungen - diese auch auf sich beziehen

(siehe Thema vom 20.07.: Ich bin...in Jesus)

2. Gebet um Veränderung, einschließlich Buße/Reue über die negative Sicht von sich selbst.

3. Intensive Seelsorge in dem Punkt, gemeinsames Gebet

4. Halte Dir vor Augen, dass Jesus Christus Dich liebt. Immer wenn Dein Kopf relativ frei ist,

kannst Du vor Dich hersingen: " Jesus liebt mich, halleluja!" Egal mit welcher Melodie. Es

funktioniert.

Einige weitere Bibelstellen zum Thema:

Joh. 6, 37: “Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den

werde ich nicht hinausstoßen"

1. Joh. 4, 10: " Hierin ist die Liebe: Nicht das wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns

geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden"

Joh. 17, 22 +23: " Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben,

dass sie eins seien, wie wir eins sind - ich in ihnen, du in mir - dass sie in eins vollendet seien,

damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast."

Maria Prean hat es so formuliert: “ Gottes Liebe liebt nicht, was liebenswert ist, sondern

schafft, was liebenswert ist. Gottes Liebe erlaubt uns nicht, so zu bleiben wie wir sind. Gottes

Liebe ist mehr, als bloß angenommen werden. Gottes Liebe formt uns und verwandelt uns in

sein Ebenbild. Das ist ein lebenslänglicher Prozess und manchmal schmerzhaft. Denn

Wachstum ist oft mit Schmerz verbunden. Selbstannahme ist der erste Schritt in diesem

Prozess."

Ich möchte hinzufügen, dass Gottes Liebe zu uns keineswegs Schmerz und Leid ausschließt,

denn nicht ohne Grund sagte Jesus "wie du mich geliebt hast". Jesus litt für uns am Kreuz

größten Schmerz und schon vorher Beleidigungen und Verachtung. Nachfolge bedeutet auch

Leid, denn wenn wir Jesus gleich werden wollen, können wir nicht erwarten, nur wie Könige

behandelt zu werden. Ohne Zweifel liebte Gott seinen Sohn ganz besonders. Ohne Zweifel

wurde Jesus auch sehr misshandelt. Aber all' das verblasste in der Auferstehung, womit alles

seinen Sinn bekam. Sind wir in Leid und Schmerz, können wir uns vor Augen halten, dass

letztlich alles zu unserem Besten sein soll. Das kann auch ich nur schwer annehmen. Aber

woher weiß ich, wohin mein Weg führt? Das weiß nur Gott!